Diese Stähle sind grundsätzlich bei allen Temperaturen ferritisch. Erreicht wird dies durch einen niedrigen Gehalt an austenitbildenden Elementen (in erster Linie Nickel), sowie einen hohen Gehalt an Ferritbildnern (hauptsächlich Chrom).
Die älteren Qualitäten wie AISI 430 wurden hauptsächlich für Haushaltsartikel eingesetzt, sowie für Anwendungsbereiche, bei denen die Anforderungen an die Korrosionsbeständigkeit nicht allzu hoch waren.
Stahlsorten mit hohem Chromgehalt, wie AISI 446 mit 27% Chrom, werden bei hohen Temperaturen eingesetzt, wo ihre Widerstandsfähigkeit gegen bei Verbrennung entstehende Schwefelgase von Vorteil ist. Jedoch ist das Risiko der 475°C Versprödung und auch die Ausscheidung versprödeter Sigma-Phase bei Hoch-Chrom-Stählen immer mit zu berücksichtigen.
Die heutigen ferritischen Edelstahl Güten, wie S44400 mit extrem niedrigem Kohlenstoff- und Stickstoffgehalt, setzt man gerne dort ein, wo es ein Risiko für Spannungsrisskorrosion gibt.
Ferritische Stähle verfügen über eine etwas höhere Streckgrenze (Rp 0,2) als austenitische Stähle aber auch über eine geringere Bruchdehnung. Eine weitere Eigenschaft, die ferritische von austenitischen Stählen unterscheidet, ist die geringe Kaltverfestigung.